Die Geschichte des Pitztals

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In den Traditionen verwurzelt und dem Neuem aufgeschlossen ...

... so präsentieren sich heute die Pitztalerinnen und Pitztaler den Gästen in alpiner Umgebung ...

Geschichte

Der Fund des „Ötzi“ zeigt, dass der Mensch schon vor 9.000 Jahren, nach dem Ende der Eiszeit, die Ötztaler Alpen überschritt. Er jagte dem Wild nach, nutzte die Hochweiden über der Waldgrenze und vergrößerte sie durch Brandrodung. Später verwendete er einige davon als Bergmähder (= Bergwiesen), die er seit der Bronzezeit teilweise auch künstlich bewässerte.

Da beim 1992 entdeckten prähistorischem Heiligtum auf der Piller Höhe schon in der mittleren Bronzezeit (15. Jh. v. Chr.) Tiere und Feldfrüchte geopfert wurden, kann wohl angenommen werden, dass die Menschen jener Zeit im vorderen Pitztal siedelten und vereinzelt auch ins Innerpitztal vorgedrungen sind.

Der erste bekannte Volksstamm, der im Pitztal siedelte, war der zu den Rätern zählende Stamm der Breonen. Unter römischer Herrschaft wurde dieses Gebiet weitgehend romanisiert und der christliche Glaube verbreitet. Die entscheidende Besiedelung erfolgte ab etwa 600 n. Chr. durch die Bajuwaren. Sie vermischten sich mit der auf den fruchtbaren Terrassen des Vorderpitztals lebenden Bevölkerung. Ab dem 11. Jh. erfolgte eine starke Bevölkerungszunahme, die zu starker Rodungstätigkeit bis zum 14 Jh. führte. Ortsbezeichnungen wie Wald, Brennwald, Matzlewald und Scheibrand weisen heute noch darauf hin.

Durch die im Tal üblichen Erbteilung des Realbesitzes, bei der jedes Kind einen Erbteil vom elterlichen Hof erhielt, wurden die einst wirschaftsfähigen Hofeinheiten so zersplittert, dass sie schon nach wenigen Generationen selbst in guten Erntejahren die meist kinderreichen Familien nicht mehr ernähren konnten. Daher wanderten während des 19 Jh. vor allem aus dem Innerpitztal alljährlich etwa die Hälfte aller Männer, aber auch viele unverheiratete Frauen sowie jeder fünfte schulpflichte Bub als Saisonarbeiter in die Fremde. Die Kinder wurden als Schwabenkinder bezeichnet, da sie ihre Arbeitskraft reichen Großbauern aus dem Schwabenland anboten.

Neben dem Handel mit Fellen, Leinensamen, Galanteriewaren und Spulen für Webstühlen war es der gegen Ende des 19. Jh. vereinzelt einsetzende Tourismus, der den armen Bergbauern des Innerpitztals den dringend nötigen Nebenerwerb brachte. Die Errichtung von Hütten und Wegen für den Österreichischen und Deutschen Alpenverein sowie die Tätigkeit als Bergführer ermöglichten ein Zusatzeinkommen.

Erst der Bau der Pitztaler Landesstraße, der Pitztalbrücke und die Erschließung des Pitztaler Gletschers 1983 führte zu einem signifikanten Anstieg des Tourismus im Pitztal. Damit einhergehend wurde der Tourismus auch der größte Arbeitgeber im Tal. War in den 70iger Jahren der Sommertourismus noch die Haupteinnahmequelle, so ist das mittlerweilen der Winter (ca. 60 % der ca. 1 Mio. Nächtigungen pro Jahr).

Pitztal - Versuche einer Namenserklärung

Zum ersten Mal scheint der Name des Pitztals als „Puzzental“ 1265 in der sogenannten Starkenberger Urkunde auf. Es ist dies die älteste deutsch geschriebene Urkunde auf Tiroler Boden.

Der in Wenns geborene Historiker und Geograph Dr. Alois Lechtaler versucht den Namen des Tales etymologisch zu deuten. Die erste Deutung leitet er vom lateinischen Wort „putens“ ab, was soviel wie „Brunnen“ oder auch „Grube“ bedeutet. Das deutsche Lehnwort dafür lautet „Pfütze“. Tatsächlich bildet der Talbach vor allem nach dem Abgang von Muren zahlreiche Pfützen. Auch der merkwürdig anmutende Weilername Froschputzen (ca. 0,7 km taleinwärts ab St. Leonhard) deutet darauf hin. Und im Hirschberger Urbar wird der Ausdruck „Pitze“ für Wasserwal verwendet.

Eine zweite Deutung des Namens geht vom rätoromanischen Begriff „Piz“ aus, was spitzer Berg oder spitzer Berggipfel heißt. Das Pitztal ist von oft scharfen, spitzen Bergformen umgeben.

Geographie und Verkehrslage - die landschaftlichen Gegebenheiten

Das Tiroler Pitztal ist etwa vierzig Kilometer lang und zieht sich vom Tiroler Inntal in südlicher Richtung hinauf zu den herrlichen Ötztaler Eisriesen.

Die Pitze (= Pieze) entspringt aus dem Mittelberg- sowie dem Taschachferner (Gletscher) und fließt durch das gesamte Tal bis zur Mündung in den Inn. Im unterem Lauf bildet er eine wild-romantische Felsklamm, die erst seit einigen Jahren durch den Luis-Trenker-Steig begehbar ist.

Im Westen des Tales ragt dreißig Kilometer lang der Bergzug des Kaunergrates, des wohl großartigsten Kammes der Ötztaler Alpen, empor. Dieses Gebiet wird als Naturpark Kaunergrat - Pitztal jetzt besonders geschützt und Gäste werden umfassend über die Fauna und Flora informiert.

Im Osten trennt der Geigenkamm das Pitztal von dem fast parallel verlaufenden Ötztal. Das Ötztal, das Pitztal und das Kaunertal sind seit Jahrtausenden durch mehrere sogenannte Jöcher miteinander verbunden.

Vorderes Pitztal und Innerpitztal

Deutlich unterscheiden sich das Vordere und das Innerpitztal durch Klima und gegensätzliche Landschaftsbilder.

Das äußere Tal war in vorglazialer Zeit ein Teil des Inntales, denn der Inn floss einst von Prutz über die zwischen Venetberg und Kaunergrat liegende Piller Höhe. Erst nach der Eiszeit durchbrach der Inn die Enge von Pontlatz und grub sich ein neues Flussbett.

Sonnig, weit und offen ist das äußere Pitztal mit den Orten Arzl, Wenns und Jerzens. Reich bebaut und besiedelt sind die sanft geneigten Hänge, auf denen auch Ackerbau bis in höhere Lagen möglich ist. Dieser schöne, fruchtbare Landstrich wird auch als „Wenner Schmalzkessel“ bezeichnet.

Von Jerzens taleinwärts verengt sich das Tal. Die Weiler Kienberg, Stein, Graslehen und Ritzenried der Gemeinde Jerzens bilden mit der gesamten Gemeinde St. Leonhard (viertgrößte Gemeinde Tirols) das sogenannte Innerpitztal. Zahlreiche Wildbäche und mehr als 40 Wasserfälle prägen die Landschaft. Sie bilden im Winter für Eiskletterer interessante Herausforderungen.

Nur knapp nach Mandarfen erreicht man bei Mittelberg am Fuß des Mittagkogels den großartigen Talabschluss. Vor Mittelberg gabelt sich das Tal in das Mittelberg- und ins Taschachtal. Sie führen direkt in die großartige Gletscherwelt, welche vom höchsten Berg Tirols, der Wildspitze (3.774 m) überragt wird. Sie ist ein beliebtes Ziel für Bergsteiger und Tourengeher.

Neben der Wildspitze rahmen mehr als 50 Dreitausender das Pitztal ein.

Brandopferplatz Piller Sattel

Beinahe 1.500 Jahre, von der Bronzezeit bis zur Eisenzeit, war der Brandopferplatz am Piller Sattel in Betrieb. Während der Bronzezeit wurden auf dem Steinaltar Tiere den Göttern geopfert, Knochen und Asche am Aschehügel deponiert. Im Laufe der Jahrhunderte entstand dabei ein Hügel mit einem Durchmesser von 15 x 12 m und einer Höhe von 2,5 m. In der jüngeren Eisenzeit kam es zu einer starken Zunahme gegenständlicher Opfer wie Waffen, Fibeln, Schmuckgegenstände, Votivschilde und Münzen. Während der Römerzeit lässt sich eine Häufung von Münzopfern nachweisen. Erst mit der Ausbreitung des Christentums fand der Kultplatz sein Ende. Der Weg zum Brandopferplatz befindet sich großteils im ursprünglichen Zustand. An manchen Stellen ist der Weg mit Steinen befestigt, an den felsigen Stellen können noch Wagenspuren beobachtet werden.

Quelle: Interessantes Buch von den Autoren Beatrix und Egon Pinzer, Titel: Pitztal, Verlag: Edition Löwenzahn. Dieses Buch könenn Sie über unseren Webshop gleich online bestellen.

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